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Impfung und öffentliche Gesundheit: Einer geimpft – viele geschützt

Impfungen nützen nicht nur den Geimpften. Sie schützen auch deren ungeimpfte Kontaktpersonen und helfen, regionale Ausbrüche zu verhindern oder zu begrenzen. Deshalb sind Impfungen von größter Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und Ausgaben für Impfprogramme gut investiert.

Impfkampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2018

Schutz für Kontaktpersonen

Schon für Kinder sind Windpocken keine schöne Erfahrung. Für ungeborene Kinder sind sie sogar lebensgefährlich. Ähnliches gilt für die Röteln, die bei Ungeborenen u. a. Herz- und Gehörschäden verursachen können. Dies macht deutlich, dass jeder Geimpfte nicht nur sich selbst, sondern auch ungeimpfte Kontaktpersonen schützt. Das gilt auch für die echte Grippe, an der laut Robert Koch-Institut jährlich in Deutschland 8.000 bis 11.000 vor allem alte Menschen sterben.

Schutz vor Epidemien

Ausrottung von Krankheiten

Mit den unzureichenden Impfraten gegen Masern durchkreuzte Deutschland die Pläne der Weltgesundheitsorganisation WHO, Europa bis 2015 masernfrei erklären zu können. Auch stellt Deutschland damit eine Gefahr für andere Länder dar. So steckte sich 2018 eine Schülerin aus Guatemala beim Schüleraustausch in Deutschland an und brachte dann die Krankheit in ihr Heimatland zurück, das zuvor 20 Jahre masernfrei gewesen war.

Die internationale Eradikation der Masern hat große Bedeutung, weil jede tausendste Masernerkrankung mit Hirnhautentzündung einhergeht, die oft mit Tod oder bleibenden Schäden endet.

Zweimal ist es bereits gelungen, Krankheiten durch Impfungen aus Europa zu vertreiben: Die Pocken konnten bis 1980 ausgerottet werden (sogar weltweit); und seit 2002 ist Europa auch offiziell frei von Polio, der Kinderlähmung. Letzteres ist den Schluckimpfungskampagnen (in der DDR ab 1960, in der Bundesrepublik ab 1962) zu verdanken. Mittlerweile tritt Polio nur noch in einigen Ländern Afrikas und Asiens (vor allem Pakistan) auf; dort hat sich die endgültige Eradikation als extrem schwierig erwiesen.

Gute Kosten-Nutzen-Relation

Weil jede Impfung gleich mehreren Personen zu Gute kommt, haben Impfungen eine ausgesprochen gute Kosten-Nutzen-Relation. Für Impfungen (Impfstoff und Arzthonorar, Regel- und Satzungleistungen) werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) etwa 1,4 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben (Stand 2017 laut Bundesministerium für Gesundheit). Das sind nur rund 6 Promille ihrer gesamten Ausgaben. Zusätzlich zu dem, was die STIKO empfiehlt, erstatten einige Kassen auch verschiedene Reiseimpfungen.


Entwicklung der Impfraten in den letzten Jahren

In Deutschland ist die Zahl der von Gesetzlichen oder Privaten Krankenversicherungen erstatteten Impfungen im ambulanten Bereich (also außerhalb von Krankenhäusern) zwischen 2007 und 2012 um rund 33 Prozent zurückgegangen, aber seither wieder um 16 % angestiegen. 2018 wurden solche Impfungen ingesamt 47,7 Millionen Mal verabreicht (36 Millionen Impfungen entfielen dabei auf die GKV). Das geht aus Zahlen von Insight Health hervor, die der Walletvoting aufbereitet hat.

Durch Anklicken der Krankheiten können Sie auf dieser Infografik aussuchen, welche Zeitreihen angezeigt werden. So können Sie beispielsweise die Entwicklungen bei den Masern- und Tetanus-Impfungen vergleichen. Achtung: Für einen lebenslangen Impfschutz ist je nach Krankheit eine andere Zahl von Impfdosen nötig. Für Masern genügen beispielsweise zwei Injektionen, die Tetanusimpfung muss hingegen (nach anfänglich mehreren Impfungen) alle zehn Jahre mit jeweils einer Injektion aufgefrischt werden.

Trends bei bestimmten Impfungen:

  • Masern: Das WHO-Ziel einer Durchimpfungsrate von 95% bei Masern in Deutschland wird bislang verfehlt (siehe oben). Immerhin hat sich die Zahl der Masernimpfungen seit 2014 wieder vermehrt; 2018 wurden 2,2 Millionen Impfungen verabreicht, ausreichend für einen Immunschutz bei 1,1 Milllionen Personen. Masernimpfungen müssen nicht privat bezahlt werden.
  • Röteln: Hier ist die Situation nahezu identisch, denn fast immer werden gegen Röteln und Masern die gleichen Kombinationsimpfstoffe verwendet, die obendrein auch vor Mumps und ggf. obendrein vor Windpocken schützen.
  • Grippe: Die Zahl der Grippeimpfungen zu Lasten der Krankenversicherungen ist zwischen 2009 und 2012 um rund 30 % gefallen, auf 14,2 Millionen Impfungen; 2018 stieg die Zahl erstmals wieder nennenswert auf 15,9 Millionen Impfungen. Dazu kommen noch privat bezahlte Impfungen von Personen, für die keine ausdrückliche Impfempfehlung besteht.
  • Rota-Infektionen: Seit der Einführung 2007 war der Verbrauch an Rota-Impfstoffen jahrelang im Steigen begriffen. Seit 2016 stagniert der Verbrauch bei rund 1,4 Millionen Impfstoff-Einheiten im Jahr.
  • Pneumokokken: Der jährliche Verbrauch an Impfstoffen gegen Pneumokokken (die u. a. Lungenentzündung hervorrufen können) steigt seit 2012 stetig an; 2009 wurden 3,9 Millionen Dosen zu Lasten der Krankenversicherungen verimpft.
  • HPV-bedingte Krebserkrankungen: Der Einsatz des HPV-Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsarten im Genital-Anal-Bereich (und z.T. auch Genitalwarzen) stagniert bei rund 900.000 Impfdosen, auch wenn der Tiefstand von 2010, als nur nur rund 500.000 Impfdosen verimpft wurden, überwunden ist. Zwar erfassen diese Zahlen nur Impfungen in der Hauptzielgruppe (Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren), weil die Impfung für Jungen und erwachsene Frauen (für die sie auch zugelassen ist) bis Dezember 2018 privat bezahlt werden musste; aber diese Möglichkeit dürfte nur selten genutzt worden sein.(1) Deutschland hat damit weiterhin bezüglich HPV eine wesentlich niedrigere Impfquote als mehrere andere europäische Länder.

Die Impfquoten verbessern

Viele Jahre lang gab es in Deutschland keine gesetzliche Impfpflicht. Doch nun ist ein Gesetz in Vorbereitung, um eine solche Pflicht für die Masernprävention einzuführen. Darüber zu entscheiden, ist Aufgabe der Politik. Aber Pflicht oder nicht: In jedem Fall ist es wichtig, über das Impfen sachlich gut aufzuklären und für gut erreichbare Impfmöglichkeiten zu sorgen.

Auch ist zu berücksichtigen, dass Masern-Impflücken nicht nur bei denjenigen Bevölkerungsgruppen bestehen, auf die das geplante Gesetz zur verpflichtenden Masernimpfung abhebt, nämlich Kita- und Schulkinder, Kinder-Betreuungskräfte und medizinisches Personal. Vielmehr haben auch etliche Jugendliche und Erwachsene keinen zureichenden Impfschutz.

Auch deshalb ist klar, dass die bestehenden Impflücken, die ja nicht nur bei Masern bestehen, nur durch ein breites Maßnahmenbündel geschlossen werden können. Sinnvolle Ansätze wären insbesondere:

  • ein politisches Bekenntnis zum Impfen und das Abstimmen eines „Nationalen Aktionsplans“ mit konkreten Impfzielen und Verantwortlichkeiten,
  • die Ausweitung der Aufklärungsaktivitäten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), des Robert Koch-Instituts (RKI) und anderer Institutionen,
  • die regelmäßige Erinnerung aller Versicherten an notwendige Impfungen seitens der Krankenkassen,
  • die Implementierung eines professionellen Impfmanagements bei allen Kinder-, Haus- und Frauenärzten, so dass das gesamte Praxisteam für Impffragen geschult ist, klare Abläufe für die Impfberatung und -dokumentation bestehen und Patienten gezielt zu Impfterminen eingeladen werden,
  • die Verankerung des Impfens als fester Bestandteil der ärztlichen Ausbildung,
  • mehr Weiterbildung und finanzielle Anreize für niedergelassene Impfärzte, die im Patienten aktuelles Wissen vermitteln,
  • eine Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der u.a. Impfangebote für Jugendliche und junge Erwachsene da organisieren kann, wo sie sich ohnehin aufhalten,
  • ein Ausbau ergänzender Impfangebote durch Betriebsärzte, um auch Personen zu erreichen, die selten zum Arzt gehen,
  • zusätzliche Impfangebote für Erwachsene durch geschulte Apotheker, um weitere Personengruppen zu erreichen sowie
  • ein Ausbau der Impfsurveillance, damit Daten über Impfquoten zeitnah und umfassend verfügbar sind.

Zur Erhöhung der Impfraten werden also mehr Koordination, Engagement und finanzielle Mittel benötigt. Dies sollten die Bundesregierung und die mit Impfen befassten Einrichtungen der Länder konsequent verfolgen.

Entschädigung für Impfschäden

Moderne Impfstoffe gehören zu den sichersten Medikamenten: Geimpfte müssen zwar mitunter vorübergehende Nebenwirkungen in Kauf nehmen, zu bleibenden Schäden führt ihre Anwendung jedoch so gut wie nie. Das belegen die vom Paul-Ehrlich-Institut veröffentlichten Daten über Verdachtsfälle und anerkannte Impfschäden (siehe www.pei.de).
Kommt es trotz der mittlerweile sehr geringen Impfrisiken in Deutschland durch eine öffentlich empfohlene Impfung zu einem bleibenden Schaden, so zahlt das jeweilige Versorgungsamt eine Entschädigung. Impfschäden bei empfohlenen Impfungen fallen damit nicht in die Haftpflicht des Herstellers, solange er keine Fehler bei der Herstellung gemacht hat. Ähnliche Regelungen gibt es auch in den USA und vielen anderen Staaten.